Donnerstag, 11.12.2025 von 19 – 20.30 Uhr in der Stadtakademie München
1975 leitete die Psychiatrie-Enquête eine nachhaltige Umstrukturierung der psychiatrischen Versorgung in Deutschland ein. Psychisch Erkrankte sollten mit anderen gleichgestellt, weniger stationär und stattdessen stärker in ihrem Lebensumfeld behandelt werden. Entstigmatisierung und gesellschaftliche Integration waren die Schlagworte. Neue Angebote wie Selbsthilfe- und Wohngruppen wurden geschaffen. Bis heute trägt die Sozialpsychiatrie die Anliegen der Psychiatriereform fort: Was wurde erreicht? Welche Aufgaben sind nach 50 Jahren noch offen?
Verstärkt durch Social Media hat sich in den letzten Jahren eine neue Mental Health-Bewegung formiert, die das Sprechen über mentale Probleme enttabuisieren und das Leben damit normalisieren will. Betroffene – mit und ohne Diagnose – sprechen öffentlich über ihre Erfahrungen und machen anderen Mut, sich ebenfalls zu öffnen. Werden psychische Erkrankungen so enttabuisiert oder bisweilen auch bagatellisiert? Zugleich gibt es viele konkrete Tipps, sich selbst mehr und präventiv um die eigene mentale Gesundheit zu kümmern. Was sind seriöse Angebote, was Versuche, auf einen Trend aufzuspringen? Und letztlich stellt sich die Frage, ob psychische Gesundheit damit nicht wieder zur Aufgabe des Einzelnen gemacht wird, mit dem Ziel resilienter und leistungsfähiger für die Leistungsgesellschaft zu werden, anstatt die Strukturen zu verändern.
Wir freuen uns darauf, diese und andere Fragen mit Ihnen und unseren Expert:innen zu diskutieren. Impulse liefern:
- Prof. Dr. Thomas Becker, Seniorprofessor, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Leipzig
- Lucia Kleekamm, Psychologie-Studentin, bis 2025 Mitarbeiterin der Mental Health Crowd GmbH
- Prof. Dr. Nicolas Rüsch, Professor für Public Mental Health, Universität Ulm, Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II des Bezirkskrankenhaus Günzburg
- Rita Wüst, Vorstandsmitglied der Aktionsgemeinschaft der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (ApK)
Veranstalter: Evangelische Akademie Tutzing in Kooperation mit der Stadtakademie München und der Bayerischen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie | unterstützt durch die Verla Stiftung
Datum: Donnerstag, 11.12.2025 von 19 bis 20.30 Uhr
Ort: Evangelische Stadtakademie München, Herzog-Wilhelm-Str. 24, 80331 München
Teilnahme: Die Teilnahme ist kostenfrei. Bitte unter diesem Link anmelden.

